Hintergrund und Geschichte

Ilse Mid­den­dorf

Ilse Middendorf

Die aus­ge­bildete Gym­nas­tik­lehrerin, Frau Pro­fes­sorin Ilse Mid­den­dorf, (1910–2009) Berlin, war sportlichen Tech­niken und gym­nas­tis­chen Übun­gen immer gerne zuge­tan und doch suchte sie nach ein­er Meth­ode, welche den Men­schen in seinen ganzheitlichen Möglichkeit­en, in seinem ganzen Sein, in sein­er ganzen Tiefe erfassen und bewe­gen kon­nte. Dazu bedi­ente sie sich der Atemar­beit, die sie sehr faszinierte, wobei sie sich mit der auss­chließlich wil­lentlich aus­gerichteten Art und Weise nie ganz anfre­un­den kon­nte. Schließlich entwick­elte sie ihre eigene Lehre, in deren Mit­telpunkt der Grund­satz ste­ht, den Atem in aufmerk­samer Anwe­sen­heit ins Bewusst­sein kom­men zu lassen, ihn aber nicht wil­lentlich zu bee­in­flussen.

Es entstand der einfache Grundsatz:

  • den Atem von selb­st kom­men lassen
  • den Atem von selb­st gehen lassen
  • zu warten bis der neue Einatem von selb­st wieder kommt

Auf diesem Grund­satz baute sie ihre Atem­be­hand­lungsmeth­o­d­en und eine Vielzahl von Atemübun­gen auf. Ihre, aus den Bedürfnis­sen des mod­er­nen, west­lichen Men­schen gewach­sene Lehre, hat sie auch ent­deck­en lassen, dass der Men­sch mit­tels Atmung, Samm­lung und Empfind­ung den eige­nen Atem erfahren und nach­haltig bee­in­flussen kann. Die grosse Wirkung dieser Atemar­beit auf die gesamte Per­sön­lichkeit und Entwick­lung eines Men­schen wurde dadurch deut­lich. Schliesslich gab ihre ganz spezielle Art und Weise, mit dem Atem zu arbeit­en, ihrer Lehre den Namen:
Der Erfahrbare Atem®.

Atem

Atman – Altindis­ches Wort für Atem, Seele, Leben­shauch, Welt­seele.
Odem – Mit­teldeutsches Wort für Atem, Hauch, Geist.
Spir­i­tus – Lateinis­ches Wort für Atem, Lufthauch, Lebensluft, Seele.
Pneu­ma – Griechis­ches Wort für Atem, Hauch, Wind, Geist.
Ruach– Hebräis­ches Wort für Atem, der göt­tliche Hauch, Geist, Wind.

Bei allen Völk­ern aus der Ver­gan­gen­heit und der Gegen­wart find­en sich Hin­weise und Lehren für die Heilkraft des Atems. In Chi­na war die Kun­st, Krankeit­szustände mit­tels Ate­man­wen­dun­gen zu behan­deln, noch vor der Akupunk­tur bekan­nt. In Tibet und Indi­en führen Yoga-Tech­niken und med­i­ta­tive Prak­tiken auf Atemübun­gen zurück, die der Erhal­tung und Wieder­her­stel­lung der Gesund­heit dienen. Im inneren der ägyp­tis­chen Pyra­mi­den und im alten Tes­ta­ment find­en sich eben­falls bere­its atemther­a­peutis­che Ratschläge.

In der heuti­gen west­lichen Welt wer­den laufend Stu­di­en ver­fasst über die Wirkung des Atems. Z.B. hat man her­aus­ge­fun­den, dass bei ver­tiefter Atmung kör­pereigenes Endor­phin aus­geschüt­tet wird. Eben­so wird wis­senschaftlich unter­sucht, was in der Med­i­ta­tion und in Acht­samkeit­sübun­gen geschieht bzw. sich verän­dert.

«Der Atem ist Dein bester Kamerad»

(indis­ches Sprich­wort)

«Der Bauer atmet mit dem Bauch,
der Kaiser mit dem grossen Zeh»

(chi­ne­sis­ches Sprich­wort)

Die Chi­ne­sen beze­ich­neten den Atem als königlichen Weg des Heilens. Die Hebräer sehen den Atem als Hauch Gottes an. Gandhi′s Vor­name Mahat­ma heisst nicht nur grosse Seele, son­dern auch gross­er Atem. Atem ist Leben – er umfasst uns als Ganzes – leib­lich und seel­isch. Ohne Nahrung kön­nen wir einige Wochen über­leben, ohne Wass­er ca. 3 Tage, ohne Atem aber nur ganz wenige Minuten. Atem ist unser ständi­ger Begleit­er, er gibt uns den Leben­srhyth­mus an.

Der Atem zeigt uns Polaritäten auf:

* Geben und Nehmen
* Tun und Lassen
* Innen und Aussen

Atem erfahren

Atem ist ein phys­i­ol­o­gis­ch­er Vor­gang, er ist ein kör­per­lich­er Zus­tand,
er ist ein seel­is­ch­er Aus­druck und ein geistiger Vor­gang, er ist die Brücke zwis­chen Kör­p­er, Geist und Seele.

Da der Atem nur erfahren und erlebt wer­den kann, richtet sich die Atem- und Kör­perther­a­pie an Men­schen, die bere­it sind, die Funk­tion und die Wirkungsweise des Atems über die eigene Erfahrung zu ler­nen.

Mit Aufmerk­samkeit und Samm­lung, die der kör­per­lichen Empfind­ung und dem Atem zugewen­det wer­den, schult der Erfahrbare Atem die kör­per­liche Empfind­ungs­fähigkeit sowie die seel­isch-geistige Sen­si­bil­ität. In der Folge wird das Atemgeschehen seinen natür­lichen und ursprünglichen Geset­zmäs­sigkeit­en zuge­führt. Der Atem­rhyth­mus wird geord­net, die ide­ale Kör­perspan­nung kann entste­hen.

Daraus entwick­elt sich ein ver­stärk­tes Wohlbefind­en, das die kör­per­lichen, seel­is­chen und geisti­gen Kräfte bet­rifft, diese bere­ichert und erweit­ert. Durch Übung der Samm­lung auf das «hier und jet­zt» wächst die bewusste Anwe­sen­heit, das bewusste «Da-sein» fördert die unmit­tel­bare Selb­ster­fahrung und führt zum gesucht­en Ein­heits­be­wusst­sein. 

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